Geschichte


"An uns Bildhauer selber gedacht, ist es so, dass wir durch die Erfahrungen von St.Margarethen, durch dieses Hinausgehen in den Freiraum - in den Steinbruch, auf die Wiesen - wieder frei wurden. Um dieses Freiwerden oder Freidenken in einem ganz weiten Sinn ging es. Für uns Bildhauer ist der Stein das Mittel, um zu diesem Freidenken zu kommen - zum Freiwerden von vielen Zwängen, Engen und Tabus.

Unsere Erziehung durch die Schulen und Akademien führte zum Egoismus hin, und das ist in der Konsequenz eine Einengung. Und da wieder aufzumachen, deswegen hat man den Nächsten gesucht und den Kollegen zu dieser gemeinsamen Anstrengung gerufen, und viele sind gekommen.

Es wurde unter ganz einfachen Bedingungen gearbeitet. Es war das Leben und das Arbeiten auf eine intensive Weise möglich, und mehr wollte man nicht.

Die Steine sollen dort stehenbleiben, wo sie geschaffen wurden, und für alle Menschen dasein. Es ist anders als in den Museen: Die Begegnung mit so einem Stein in der Landschaft zeitigt anderes Erleben; man erlebt auch den Baum, das Gras, das Moos und die Wolken. Ich sehe, wenn auch auf meine Art, dass der Mensch teilhaben soll an der ganzen Schöpfung, dass er sich verantwortlich fühlen soll für alles, was ihn umgibt.

Kunst bedeutet Hilfe, und die Gleichsetzung von Kunst und Hilfe ist die Erfüllung dessen, was meine Arbeit, gerad während der Symposien, gebracht hat. Diese Hilfe habe ich damals noch nicht so geahnt, aber sicher gespürt und deshalb wohl die Anstrengung unternommen, dieses europäische Symposion auf die Beine zu stellen. Wir, die Bildhauer, waren damals in einer Not von Gleichgesinnten, die geistiger und materieller Art war. Nicht mehr allzu jung, fehlten uns konkrete Aufgabenstellungen. Wir waren auch der Ansicht, dass der Mensch sich wieder auf das Humane zu besinnen habe. Die Kunst kann einen Teil dieser Aufgabe erfüllen. Das sollte nicht nur mit Worten geschehen, sondern auch faktisch. In Form eines Steins bespielsweise, der ja Widerstand bedeutet. Widerstand als Ausdrucksmittel gegenüber unserer lethargischen Gesellschaft."


"Der Stein war für uns Bildhauer ein Vehikel für die gegenseitige Kommunikation, auch gegenüber der Aussenwelt. Die geistige und humane Not ist global, das heisst auf die ganze Welt zu beziehen. Unser damaliger Ausgangspunkt, eine Verständigung zwischen Künstlern auf der ganzen Welt herzustellen, war ein Gedanke, der von Prag bis Tokio, von New York bis Berlin gewirkt hat. Die zunehmende Bedeutung der Symposien überall auf der Welt ist der Beweis, wie richtig der damalige Ausgangspunkt war.

Sollen doch die Bildhauersymposien reine Exerzitien sein: Übungen, Vorbereitungen für Aufgaben, die noch vor uns liegen und die nur in gemeinsamer Anstrengung geleistet werden können - durch das stellvertretende Tun für den Nächsten." - Karl Prantl, 1976 


    Chronologie
  • 1957-58 Grenzstein Österreich-Ungarn, Karl Prantl
  • 1959 Erstes Symposion europäischer Bildhauer, St.Margarethen, Burgenland
  • 1972 Tisch des Schweigens, Bildhauertreffen in Rumänien
  • 1974-75 Projekt Stephansplatz, Wien (nicht realisiert)
  • 1993 Letzte Neuaufstellung am Hügel St.Margarethen
  • 2004 Dokumentation, Buchpublikation und Webpublikation